Liebes Tagebuch..

Heute schreibe ich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder in ein Tagebuch. Ok, es ist zwar kein richtiges Tagebuch, aber zumindest geht es inhaltlich in die gleiche Richtung. Abgesehen davon ist ein richtiges Tagebuch wahrscheinlich auch irgendwie nicht mehr zeitgemäß.

Heute ist Sonntag, der zweite Advent und meine Stimmung ist etwas gedrückt. Aktuell sind wir in Melbourne. Die Wohnung ist schön, die Stadt ziemlich cool und arbeitslos sind wir auch nicht mehr, juhu. Ach ja, und draußen scheint bei gefühlten 30 Grad die Sonne. Hört sich eigentlich gar nicht so schlecht an, aber irgendwie kann ich die ganzen Dinge grad nicht so feiern, denn heute in zwei Wochen ist Weihnachten und wir werden es nicht mit unserer Familie verbringen. Manche würden sich jetzt denken: "Hey, was beschwerst du dich? Du bist in Australien, das Wetter ist nice und du wohnst mit deinem Freund in einer coolen WG." Ich würde nicht behaupten, dass ich mein Leben grad nicht liebe, aber irgendwie fehlt was. Mir fehlt die Familie, meine Freunde und die Heimat. Mir fehlt Weihnachtsstimmung und eine dicke Jacke. Mir fehlt der erste Schnee der nach 2 Tagen wieder zu ekligem Matsch wird. Mir fehlt dieses Gefühl. Um ehrlich zu sein, fehlt es mir so sehr, dass ich überlegt habe, nach Hause zu fliegen, meine Eltern zu überraschen und alle Menschen die ich liebe mit einem kleinen Geschenk glücklich zu machen. Natürlich könnte ich jetzt auch ein Paket zusammen mit einer netten Karte verschicken, aber irgendwie fehlt dabei einfach der persönliche Touch. Deshalb gibt es dieses Jahr einfach keine Geschenke für die Menschen in Deutschland, denn ich bleibe hier und hoffe, dass die Tage bis Weihnachten schnell vergehen und ich an Heiligabend entweder schnell betrunken oder zeitnah eingeschlafen bin. Oder Beides. Natürlich wäre es unfair zu behaupten, dass Maximilian und ich nach fast 10 Jahren nicht so etwas wie eine Familie sind. Nur halt ohne Kind. Denn dafür wäre ich noch nicht bereit. Ich freue mich zwar für alle, die bereits ein wunderschönes kleines Wesen aus ihrem Körper geholt haben, aber ich wäre dafür einfach noch nicht bereit. Dennoch vermisse ich auch meine Familie mit der ich aufgewachsen bin und mit der ich schon immer diese scheinbar wichtige Zeit des Jahres verbracht hab. Jetzt sitze ich also in meinem Schlafzimmer und mache das Fenster zu, weil ich die spielenden Kinder und die süßen Vögel heute einfach nicht höre möchte. Und nein, ich bin nicht depressiv verstimmt, sondern einfach nur ein bisschen traurig darüber, dass es die Gesellschaft und die Industrie geschafft hat, diesen Tag so wichtig erscheinen zu lassen und auch darüber, dass sie es geschafft haben mir ein schlechtes Gewissen zu machen, weil ich nicht bei meiner Familie bin. Aber es ist okay. Ich weiß, dass wir uns bald wiedersehen. Zwar ohne Weihnachtsbaum und Geschenke, aber dafür mit mindestens genauso viel Liebe.                                                                     

 

 

Melbourne, den 10.12.2017

 

 

Wie wichtig ist dir Weihnachten?

Kommentare: 1
  • #1

    Lucie (Montag, 01 Januar 2018 12:47)

    Wie schön geschrieben. Ich finde es toll dass du in Deutschland so tolle Leute hast, die du sie so sehr vermisst und liebst dass du überlegst, zurück zu fliegen.
    Ich hoffe du hast Weihnachten gut überstanden und ihr habt ein tolles Silvester gehabt ☺

    Wie sieht es bei euch generell aus mit dem Heimweh? Ich fliege im März nach Sydney und bin gespannt wie ich es alleine meistern werde ☺