So hat uns die Reise verändert

Über ein Jahr waren wir nicht mehr in unserer Heimat, lernten viele neue Menschen, Sprachen und Kulturen kennen. All diese Dinge haben uns offensichtlich mehr beeinflusst und geprägt als gedacht. Deshalb möchte ich heute meine Gedanken einfach mal mit euch teilen und im Fließtext beschreiben was sich für uns verändert hat. Wir haben gemerkt, dass dieses Zuhause-Gefühl überall auf der Welt bestehen kann. Wir hatten dieses Gefühl beispielsweise als wir in Brisbane und Melbourne gelebt haben. Ok, um ehrlich zu sein, hängt das wahrscheinlich auch ganz stark damit zusammen, dass wir uns in den beiden Städten verglichen mit den anderen Orten während unserer Reise ein Zimmer für längere Zeit gemietet haben. Während wir in Asien im Durchschnitt jeden dritten Tag den Ort wechselten, verbrachten wir in Brisbane und Melbourne jeweils drei Monate. Zwar war die Umgebung eine Andere und die Heimat ziemlich weit weg, aber doch hatten wir das Gefühl ein neues Zuhause gefunden zu haben und das fühlte sich einfach unglaublich schön an. Außerdem wurde uns während unserer Reise sehr oft vermittelt, dass trinkbares und vor allem sauberes Leitungswasser wie wir es hier in Deutschland kennen keine Selbstverständlichkeit darstellt. In vielen Ländern gehört der Begriff Wasserknappheit leider immer noch zur Realität und es ist dort nicht möglich das Wasser aus der Leitung zu trinken oder es für die tägliche Mundhygiene zu benutzen. Wenn ich mir jetzt Wasser aus dem Wasserhahn in ein Glas abfülle, denke ich oft daran wie gut wir es hier in Deutschland haben und dass wir froh sein können hier einen wirklich hohen Lebensstandard genießen zu können. Uns ist noch etwas sehr wichtiges aufgefallen: Wir haben gelernt zu warten und vor allem auch geduldig zu sein. In Deutschland gehörten wir auch zu denjenigen, die sich über Verspätungen bei Bus und Bahn zwar nicht gleich beschwert haben aber trotzdem genervt davon waren. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir hier in Deutschland ziemlich verwöhnt sind was Pünktlichkeit betrifft. In allen Ländern in denen wir waren, wurde auf das Zuspätkommen mehr Wert gelegt als auf die Pünktlichkeit. Es interessiert einfach niemanden ob man jetzt 10 Minuten zu spät war und niemand empfand das als komisch. Wir mussten diese Lebensweise auch erst lernen und es viel uns ganz bestimmt nicht leicht. Aber es hat uns bereichert, denn wir mussten feststellen, dass wir viel geduldiger und ausgeglichener mit dem Thema umgehen, Verspätungen akzeptieren und insgesamt einfach viel entspannter geworden sind. Und dann gibt es noch einen Punkt den ich hier unbedingt noch ansprechen möchte. Denn es hat sich etwas sehr Wesentliches verändert und das ist unserer Beziehung. Nicht nur, dass ich es jedem empfehlen kann gemeinsam mit der Person zu verreisen die man liebt, ich würde es sogar immer wieder genauso machen. Obwohl wir schon seit 10 Jahren zusammen sind, war unsere Beziehung noch nie so intensiv und vertraut  wie jetzt. Wir haben vor allem gelernt richtig zu streiten. Klar, streiten wir immer noch und das ist auch gut so, denn meiner Meinung nach gehört auch hin und wieder ein Streit zu einer gesunden Beziehung, aber wir streiten anders. Irgendwie netter und fairer. Wir haben gelernt den Anderen noch mehr wertzuschätzen und dass einfach nichts auf dieser Welt selbstverständlich ist. Und dafür bin ich sehr dankbar.