Liebes Tagebuch, 

wer ist eigentlich dieser 'man'?             

Seit meiner Geburt bin ich von Menschen umgeben, die es scheinbar besser wissen. Menschen, die wissen wie das Leben funktioniert und die einem sagen wie es gemacht wird. Natürlich bin ich dankbar für die Menschen, die mir beigebracht haben wie man mit einem Fahrrad fährt und dankbar für diejenigen, die mir lehrten, dass Ehrlichkeit und Loyalität eine der wichtigsten Charaktereigenschaften sind. Es ist toll, wenn mir Dinge beigebracht werden, die ich noch nicht kann oder über die ich noch nichts weiß. Was mich aber nervt, sind Menschen, die versuchen mich bewusst in eine bestimmte Richtung zu drängen und davon ausgehen, dass alles was von ihrer eigenen Norm abweicht nicht richtig sei. Diese Menschen, die davon überzeugt sind, dass es nur einen Weg gibt der zum Erfolg führt. Ich bin genervt davon, dass Leute sich verhalten als wären sie Politiker, welche dafür gesorgt haben, dass kein Mensch mehr Hunger leidet. Dabei ist es nur deine neue Kollegin, die 2 Wochen länger angestellt ist als du. So oft höre ich: 'Das macht man nicht so. Das muss man anders machen, sonst ist es nicht richtig.' So oft stelle ich mir die Frage wer eigentlich dieser 'man' ist und wer Richtigkeit definiert. Wer ist dieser 'man' der offensichtlich weiß wie es läuft. Wer sagt mir, dass es nur diesen einen Weg gibt? Viele Wege führen schlussendlich irgendwo hin und vielleicht braucht man auch überhaupt keinen Weg. 

 

Ich erinnere mich noch an meine Abi-Zeit. Schon seit ich einigermaßen sinnvolle Sätzen bilden konnte, war ich vom Schreiben begeistert. Kritik ist wichtig und wenn ich nicht gerade PMS habe, dann kann ich mit Kritik auch meistens gut umgehen. Ich meine, natürlich mag es niemand gerne kritisiert zu werden, aber wenn es ehrliche Worte sind - why not. Jedenfalls gab es dort diese Deutschlehrerin, die mir auf jede meiner Aufgaben nur 6 Notenpunkte gab (entspricht einer 4+). Egal wie sehr ich mich anstrengte, es war einfach nie richtig, weil 'man' es ja anders machen müsste. Natürlich war ich enttäuscht und zweifelte an mir. Bis ich irgendwann einfach dachte: 'Ok, dann halt nicht'. Heute weiß ich, dass es nicht daran lag, weil ich zu schlecht war, sondern weil ich nicht so geschrieben habe wie dieser 'man'. Ich fand wieder zurück zum Schreiben und somit entstand dieser Blog. Heute schreibe ich Posts, die Tausende von Menschen jeden Monat lesen und das, weil sie es gerne tun. 

 

Dieser 'man' hatte also nicht Recht. Und das hat er auch meistens nicht. Weil dein Leben lebt nicht dieser 'man', sondern du. Jeder von uns ist gut so wie er ist und wie soll es auch möglich sein etwas genau wie ein anderer Mensch zu machen, wenn jeder von uns ein Individuum ist? Wenn es überhaupt einen richtigen Weg gibt, dann ist es wahrscheinlich der, welcher sich richtig anfühlt.

Melbourne, 14. Januar '18


Wie gehst du damit am Besten um?

Kommentare: 2
  • #2

    Linda (Freitag, 16 Februar 2018)

    wunderschön geschrieben ❤️

  • #1

    Meissa Queiroz (Dienstag, 16 Januar 2018 11:42)

    Hallo, ich komme aus São Paulo, Brasilien.
    Ich bin total für deinen Text und verstehe dein Gefuhl. Es wäre gut wenn die Leute einfach akzeptiert und respektiert, dass wir verschiedene Sache im Leben sucht. Für manche es ist wichtig Geld und Status zu haben, anderen (wie ich und vielleicht du) merh su wissen und viele Erfahrung zu erleben sind die erste Suche. Nach ich Nietszche angefagen zu lesen habe, akzeptiert ich meine Art zu sein. Das Buch heisst Ecce Homo. Viel Spass und bitte vergib mir mein schlechtes Deustch. Grüsse aus Brasilien