Nachhaltiger reisen

Veränderung: Warum das Reisen uns gelehrt hat, nachhaltiger leben zu wollen!

Selten wird man so inspiriert und mit neuen Eindrücken überflutet wie auf Reisen. Die Zeit im Ausland hat unsere Sichtweise verändert. Das war aber nicht immer so.

Als wir vor zwei Jahren mit unseren Rucksäcken in Indien gelandet sind, hatten wir um ehrlich zu sein noch nicht viel Ahnung, zumindest was das Reisen angeht. Zu der Zeit lebten wir noch vegetarisch und dabei war es uns eigentlich auch nicht sonderlich wichtig, woher der Käse kommt, den wir so gerne essen. Indien war für uns ohne Zweifel ein absoluter Kulturschock und als wir damals in Neu-Delhi ankamen, konnten wir kaum glauben, was sich dort abspielte: Müll soweit man schauen konnte, Kühe auf der Straße und ein großes Chaos, zumindest fühlte es sich für uns danach an. Den Höhepunkt unserer Indienreise erreichten wir spätestens dann, als wir auf einmal durch Zufall in einem für Indien typischen Slum standen. Wir waren umgeben von Müllbergen und Massen an Abfall, die wir zuvor noch nie gesehen hatten. Da standen wir also und bemerkten, dass es nicht überall so schön sauber und aufgeräumt ist wie in München. Und obwohl wir geschockt und verärgert waren, wie Menschen so mit der Umwelt umgehen konnten, waren wir zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht an dem Punkt angelangt unser eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen oder dass uns bewusst gewesen wäre, dass jeder kleine Schritt für Veränderung nur bei sich selbst beginnt.

Nach 5 Monaten in Asien passierte dann etwas.

Obwohl wir beide Indien als sehr heftig und intensiv beschreiben würden, hatten wir dort doch sehr schöne vier Wochen verbracht. Anschließend reisten wir weiter nach Sri Lanka, die Philippinen, Vietnam und trafen uns letztendlich mit meinen Eltern in Thailand. Wow, fünf Monate waren vergangen. Wir durften viel sehen und haben tatsächlich sehr viele Momente erlebt, die uns zum Nachdenken angeregt hatten. Zweieinhalb Wochen Familienurlaub in Thailand lagen vor uns und um ehrlich zu sein, war dies genau das wonach wir uns nach dem Reisen wirklich gesehnt haben: Urlaub. Während wir also viel Zeit am Strand, schlafend auf der Liege und abends im Hotel verbracht haben, konnte ich wahrnehmen, wie mein Kopf langsam anfing die Eindrücke der letzten Monate zu verarbeiten. Dabei fiel mir auf, dass ich plötzlich anfing viele Dinge über die ich vorher nie nachgedacht hatte, auf einmal zu hinterfragen. 

Ist es nicht verrückt, was hier passiert?

Dies war eine Frage, die mir immer wieder durch den Kopf ging. Ich glaube, dass vor allem eine Reise durch Asien sehr viel von dem offenbart, was in unserer Welt nicht ganz richtig läuft. Tiere werden auf offener Straße ins kochende Wasser geschmissen, damit sich der Kunde auch sicher sein kann, dass die Bestellung auch wirklich frisch ist. Asiatische Großstädte wie Bangkok, Manila, Hanoi, Jakarta oder natürlich auch (Neu-)Delhi haben ein derartiges Smog-Problem, das Menschen dazu veranlasst ihre Wohnung nur noch mit Mundschutz zu verlassen. Was mir auch bewusst geworden ist, war, dass es Menschen nie um unsere Gesundheit, Glück, oder Spaß ging, sondern immer nur ums Geld. Das mag sich jetzt vielleicht alles furchtbar negativ und ein stückweit dramatisch anhören, aber genauso war damals meine Sicht auf die Dinge und ich dachte mir nur, es ist größtenteils ziemlich fatal was auf diesem Planeten passiert.

Ich wollte mich mehr informieren.

Genau das tat ich dann auch. Und weil ich sowieso ein Mensch bin der an das Gesetz der Anziehung glaubt, traf ich anschließend in Australien auf Menschen, die mir nochmal den nötigen Input gaben. Als wir in Australien ankamen, hatten wir beide als Rikschafahrer in Brisbane unser Geld verdient, nachdem wir unseren Job als Promoter, indem wir die Australier und Touristen mit unnötigen Werbeflyern belästigten, gekündigt hatten. Aber naja, wir waren verzweifelt und nahmen so ziemlich alles an, was sich angeboten hatte, um Geld zu verdienen. In dem Moment wurde mir bewusst, dass Leute so ziemlich alles für Geld tun und wenn ich sogar Flyer verteilen würde, um an ein bisschen Geld zu kommen, kann ich gut verstehen, welche Jobs Menschen annehmen, die verzweifelt sind und sich eventuell sogar in einer Notlage befinden. Nachdem wir dann Rikschafahrer waren, verdienten war zwar besseres Geld, indem wir Leute durch die Gegend fuhren, die zu faul zum Gehen waren, aber so richtig erfüllend war das viele Geld auch nicht. Ich weiß nicht wieso, aber gerade während unserer Zeit als Rikschafahrer viel mir auf, wieviel Zeit wir tatsächlich gegen Geld eintauschen und ich fing an dieses System sehr in Frage zu stellen. Monate später zogen wir dann von Brisbane nach Melbourne, wo ich mich ganz bewusst dafür entschieden hatte nur vier Stunden am Tag an vier Tagen der Woche in einem Restaurant zu arbeiten. Das Geld reichte zum Leben und alles was ich darüber hinaus verdient hätte, wäre womöglich sowieso nur für Dinge draufgegangen, die ich eigentlich gar nicht brauche. Ich glaube, das war der Zeitpunkt, an dem ich bewusster durch's Leben ging. 

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

In dem Fall hatte dieser Satz definitiv auf mich zugetroffen, denn ich arbeitete in einem veganen Restaurant, was mich endlich dazu brachte meine vegetarische Ernährung aufzugeben und mich 100% pflanzlich zu ernähren. Manchmal braucht es scheinbar nur die richtige Zeit und den richtigen Ort. Generell fing ich von diesem Zeitpunkt an bewusster zu konsumieren, Secondhand-Läden den riesigen Modehäusern vorzuziehen, in Bioläden und regional(er) einzukaufen und mich generell einfach über die kleineren Dinge zu freuen. Das Prinzip 'weniger ist mehr' hatte somit für mich eine ganz neue Bedeutung und ich fand Gefallen daran mich immer wieder einer neuen Challenge auszusetzen und somit meine kleine Welt und oft auch mein Umfeld mehr und mehr zu verbessern und anzupassen. 

Eine Reise kann alles verändern

Das glaube ich wirklich, denn zuerst werden einem die Augen geöffnet und anschließend regen die Eindrücke im besten Fall zum Nachdenken an. Und gerade heutzutage, wo Fremdenfeindlichkeit an manchen Stellen zu einem immer größeren Problem wird, ist es wichtig, dass es Menschen gibt, die zeigen, dass wir uns immer noch alle eine Welt teilen und es an uns liegt daraus einen Ort zu machen, an dem sich auch noch unsere Kinder wohlfühlen können.


Geschrieben von

Lisa Novelle


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Welche Erfahrungen konntet ihr während eurer Reise für euch sammeln? Was hat sich bei euch verändert?

Kommentare: 4
  • #4

    Chris (Mittwoch, 23 Januar 2019 22:39)

    Guter Artikel. Freut mich für (dich) euch, dass ihr diesen Weg "gefunden" habt. Das mit vegan, klappt schon gut bei mir seit einem Jahr. (wieder) Loslassen vom Vollzeitjob noch nicht.

  • #3

    Elvira Busch (Dienstag, 22 Januar 2019 23:15)

    Hallo liebe Lisa, erst einmal vielen Dank für Deine Worte und ich bin jedes Mal aufs neue begeistert, wenn ich sehe, dass es gerade junge Menschen sind, die bereit sind, etwas an ihrem eigenen Konsumverhalten zu ändern. Ich bin einfach begeistert von der Kraft die in euch steckt, dann bekomme ich auch den Glauben an eine positive Zukunft zurück. Bei mir fing dieses Umdenken erst jetzt mit dem Sprung ins Mama-Sein an und ich bin froh, dass wir als Familie uns da auf die Reise gemacht haben. Aber ich hoffe, dass meine Kinder schon früher auf die Idee kommen, die bestehenden Systeme zu hinterfragen. Alles Liebe euch und es ist schön, mit euch zu reisen.

  • #2

    Fabian Seeberg (Dienstag, 22 Januar 2019 18:13)

    Ihr inspiriert mich jedes mal aufs neue, eure Artikel sind schön zu lesen und steigern mein Fernweh ungemein. Danke für die vielen Tipps. Euer Fabian

  • #1

    Doris Reinprecht (Dienstag, 22 Januar 2019 17:25)

    Liebe Lisa, ein toller Artikel, hat richtig Spaß gemacht ihn zu lesen und mich gleichzeitig nachdenklich gemacht. Hab mir nun vorgenommen, alles was ich so tue bewusster zu machen und zu hinterfragen. Danke für Deine Anregungen. Weiter so ♥️



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